N Ostalgie
Trabantgeschichten
Trabi- Liveparade



Auto - Ostalgie Pur!
Heiß war dieser Sonntag, der 22. Juni 2008.
Noch heißer wurde es, als hunderte von "Rennpappen" in einer riesigen Trabi-Liveparade
durch Zwickaus Innenstadt fuhren. Jeder Trabant wurde auf seine ganz eigene Weise zu einem Unikat. Spezielle Lackierungen, Aufschriften;
Fahnen der DDR, Umbauten aller Arten, Wohnanhänger in Ei-Form, andere wiederum Zelte auf ihren Dächern (einst sehr beliebt, weil die Camper quasi überall ihre Schlafstatt dabei hatten) - all' das ließ Einfallsreichtum der Trabi-Besitzer erkennen.
Viele der Fahrzeuge leuchteten ganz besonders. Ich erinnere mich an einen in der Farbe orange. Besonders aber begeisterte mich ein Trabi,
der aus zwei Trabis bestand - eine lange Limousine, die ein Prachtstück der besonderen ART, auch wegen seiner sonnengelben Farbe,
darstellte und sämtliche Blicke der Zuschauer magisch anzog.
Aus Lautsprechern erklang die Nationalhymne der DDR "Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt..." Sogleich fühlte ich mich zurück versetzt in das Damals, das sowohl Licht-als auch Schattenseiten barg.
Der Trabi galt in der DDR als Statussymbol des "kleinen Mannes". Mit seinen 26 PS und unverwüstlich, 20 Jahre fahrtüchtig und zu Höchstpreisen gehandelt, garantiert keine Beule - auch bei starkem Hagel nicht.
Und- was besonders bemerkenswert ist, der "Kleine" hielt auch den Schlaglochstraßen stand.Der Trabant - unser besonderer Liebling
Der Trabi
Die Rennpappe
Nostalgie pur!
Damals mussten wir 12 Jahre warten, bis wir unseren Trabant in seiner und meiner Geburtsstadt Zwickau abholen durften:
Getrost konnten wir einige Jahre sparen, so schwer war das nicht, weil es eh nichts zu kaufen gab.
Ein kleines, großes Freudenfest war es, als wir ihn holten. Damals fungierte ich als Beifahrerin. In Anbetracht der Tatsache, dass Fahrwillige
sehr lange auf eine Möglichkeit warten mussten, ihren Führerschein zu erwerben (es waren wohl um die 5 Jahre Wartezeit, erinnere ich mich recht), besaß ich bis dato keine Fahrerlaubnis. Zudem befand sich meine Arbeitsstelle in der Nähe meines Wohnhauses.
Die Wende flog über das Land, viele Menschen mussten andere Arbeitsstellen annehmen, die weiter weg lagen. So ergings auch mir.
Also blieb nichts anderes, als den Führerschein zu erwerben. Gar nicht so einfach mit fast fünfzig Jahren!
Privat übte ich mit einem Trabant auf einem Übüngsplatz. So manche Schwielen zierten meine Hände. Diese Schalthebel aber auch!
Mein Fahrlehrer ließ mich mit einem Golf fahren- ein Unterschied wie Tag und Nacht!
Endlich hatte ich den Führerschein und nun konnte ich die lange Strecke bis zu meiner Arbeitsstelle schnell bewältigen.
Manchmal aber denke ich noch gerne an jene Zeit zurück, in der uns unsere "Rennpappe" überall hin brachte.
Was besonders anzumerken ist: Nie gab es Ersatzteilfragen, weil der Besitzer es Trabi alles selbst reparieren konnte und dabei der Hilfe
der Garagennachbarn sicher war, die mit Ersatzteilen aushelfen konnten und auch schon mal mit Hand anlegten, um den Trabi wieder flott zu kriegen, frei nach der Devise: Gibst du mir, geb' ich dir!.
Zwölf Jahre gespart
Nun liegt sie auf dem Schrottplatz
Unsere Rennpappe
(c) Silvia Grad
In eigner Sache noch eine Ergänzung:
Als Oberschüler haben wir im so genannten Unterrichtstag in der Produktion (UTP) 1960 im VEB Sachsenring Zwickau
kleine Arbeiten am Trabi getätigt.
Ich erinnere mich, dass ich half, Türen des Trabi zu verkleiden, Wir waren damals stolz, dass wir mit an der Produktion der Trabis beteiligt
waren, was aber wiederum nichts damit zu tun hatte, dass der Normalbürger der DDR (einer, der über keine Beziehungen verfügte, um schneller an den "Kleinen" zu kommen) etwa 8 bis 12 Jahre auf die Rennpappe warten musste.
Als Dank für unsere Arbeit ließ uns der Lehrmeister einen alten Trabi "testen", was uns Schülern außerordentlichen Spaß bereitete.
Ich erinnere mich auch, dass mir damals das Rückwärtsfahren am besten gelang und ich dabei nicht einmal die Hühner, die frei auf
dem Gelände umherliefen, umfuhr.
So bin ich, auch auf diese Weise, besonders mit diesem nostalgischen Fahrzeug verbunden.
Trabi- Test im Jahre 1989:
Ab dem Jahre 1989 stand unsere Schule, in der ich damals tätig war, in freundschaftlichen Beziehungen zu Kollegen und Kolleginnen einer Schule in Osnabrück. Gegenseitige Besuche wurden gestartet( Busreisen), wir lernten die Gegebenheiten an den Schulen dort kennen und die Kollegen aus O. jene, die bei uns hier gängig waren. Untergebracht waren wir damals auch privat bei ihnen und sie dann bei uns.
Da wir, wie bereits erwähnt, eben jenen himmelblauen KLEINEN besaßen, waren sämtliche Leute von "drüben" allesamt versessen, unseren Trabi einmal zu fahren. Die Gelegenheit dazu hatten sie auf dem riesigen Schulhof.
Ein Gaudi war das! Mein Mann hätte glatt eine Firma aufmachen könne für TrabiTestFahrer - hahaha!!!
Die Leute waren derart begeistert, kaum zu glauben! Wir hatten dann Müh und Not, noch Reststunden des Tages zu retten ..
Eine Erinnerung, die ich immer wieder vor Augen haben werde.
25. Juni 2008 (c) Silvia Grad
Ein himmelblauer Trabant - http://www.youtube.com/watch?v=ukhZtKDVgJ4
www.supertrabi.de